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Freitag, 18. Mai 2012

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1970 Erdbebenhilfe Türkei

 

Bei einem Erdbeben der Stärke 7,6 starben am 28. März 1970 in der türkischen Region Gediz und Emet 1.100 Menschen. 3.500 Häuser wurden völlig zerstört und 80.000 Menschen wurden obdachlos.

 

Am 16.04.1970 startete ein 10-köpfiges Hilfsteam des DRK-Hilfszuges in die Türkei und löste dort eine andere Mannschaft ab. Sieben Helfer kommen von der Fachdienstbereitschaft. Karl-Heinz Tjardes stellte seine Bilder und Aufzeichnungen von diesem Einsatz zur Verfügung.

 

Einsatztagebuch_Tjardes.pdf   13.0 K






















 

Von den Rotkreuzhelfern wurden neben der Aufbereitung von Trinkwasser Notunterkünfte errichtet. Es wurden "Iglus" aus einem Spezialschaum (vor Ort hergestellt durch die Mischung verschiedener Chemikalien der Fa. Bayer) erstellt. In die ausgehärtete Hülle wurden Tür und Lüftungsöffnungen eingeschnitten.

 






Beschreibung der Iglu-Fertigung:


Ein etwa halbkugeliger Gummiballon mit 5 m Durchmesser und ca. 3,50 m Höhe war auf einem Drehteller (Karussel-ähnlich) montiert. Durch eine im Boden mittige Öffnung wurde mit einem Kompressor Luft eingeblasen. Da das Loch größer als die Lufteintrittsdüse war, konnte der Ballon nicht durch Überfüllung platzen. Auf den sich drehenden Ballon wurde mit einer rauf- und runter regulierbaren Düse die Chemielösung aufgesprüht. Es wurden 2 Komponenten, Desmodur 44V20 und Desmophen FWBA/0 mit elektrischen Pumpen gemischt. In einer T-Verteilung wurde Treibgas Frigen (Freon) zugeführt. Durch Regelungen des Maschinenführers wurde die Zusammensetzung der aus den Spritzdüsen austretenden Flüssigkeit verändert. Abhängig von der Umgebungstemperatur schäumte die Mischung, nach dem Austreten aus der Düse, unterschiedlich stark auf. Das heißt, je wärmer es war, umso dicker wurde das fertige Produkt (der Iglu). Außerdem konnte der Spritzdüsenführer unterschiedlich schnell die Düse rauf- oder runter regulieren. Dadurch veränderte sich die Menge der auf eine Flächeneinheit gespritzten Flüssigkeit. Es entstanden 6 – 10 cm dicke Wandungen beim Aushärten innerhalb von Minuten . Der fertige Iglu wog ca. 200 bis 300 kg (je nach Außentemperatur im Montagezelt). Es wurden ca. 500 Iglus fertiggestellt.

 









Im Jahr 1981 fuhr Karl-Heinz Tjardes noch einmal in das türkische Dorf Akcaalan. Dort wo er 1970 die Iguls hergestellt hat. Er traf viele Bekannte wieder, auch der damalige Bürgermeister war immer noch im Amt. In der Gegend fand er noch viele "seiner" Iglus. Diese wurde als Schafstall, Lagerschuppen o.ä. verwendet. Die Iguls sind außen verwittert, aber nach über 10 Jahren noch völlig intakt!

 









Letzte Änderung:16.11.2011